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Jüdisches Echo 2015

Seite 105 Jüdisches Echo 2015als sie einmal mit einem Team für ein Volleyballmatch
nach Ramallah im Westjordanland fuhr, wurde sie als
israelische Staatsbürgerin von den Palästinensern nicht
zum Spiel zugelassen. Das findet sie ebenso ärgerlich wie
die Tatsache, dass sie als Araberin besonders streng kontrolliert wird, wenn sie ein Einkaufszentrum in Tel Aviv
betritt, während der Sicherheitsmann die israelischen
Frauen vor ihr einfach durchwinkt. ,,Das hat mich wirklich geärgert und ich habe mir gedacht: So sehr hassen
sie uns?"
Hanan ist in Israel geboren und will auch nirgendwo anders leben, aber sie kämpft mit ihrer Identität:
,,Ich weiß nicht genau, wer oder was ich bin. Ich sitze
irgendwie auf dem Zaun und gehöre zu keiner Seite. Ich
bin Araberin und stamme von den Arabern ab, die schon
vor der Staatsgründung 1948 hier gelebt haben, das sind
meine Wurzeln. Der jüdische Staat repräsentiert mich
nicht, ich kann die Nationalhymne nicht mitsingen, in
der es um Zionismus und das Land der Juden geht. Ich
habe keine Hymne und keine Flagge." Insofern ist sie
fast wieder froh, dass sie in Australien nicht gewonnen
hat: ,,Ich hätte gar nicht gewusst, welche Fahne ich bei
der Siegerehrung wählen soll. Das wäre ein wirkliches
Dilemma gewesen. Wahrscheinlich hätte ich beide, die
israelische und die palästinensische Flagge genommen."

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Ihren Schülern, für die sie ein Idol ist, sagt sie, dass das
Clubzeichen ihre Flagge und ihr Symbol sei. Und sie
sagt ihnen auch, dass sie ihren Militärdienst in Israel
nicht absolvieren sollen: ,,Mein Vater war hier in der
Armee, aber es ist nicht unsere Armee. Und wenn es
einen Krieg gibt, dann kann das bedeuten, dass man
seine arabischen Brüder bekämpfen muss." Hanan hat
sehr viel Einfluss auf ihre Eleven, auf die kleinen ebenso
wie auf die älteren, die sie mit einem Partner im Karateclub dazu ausbildet, selbst Gruppen zu leiten: ,,Das ist
sehr wichtig, denn der Sport gibt ihnen eine Aufgabe
und Dazugehörigkeit. Und sie müssen Verantwortung
übernehmen, das ist wichtig, dann lungern sie nicht auf

«Wenn ich ein Mann wäre, wäre alles viel
klarer, dann könnte ich viel besser sagen, was
ich denke. Ich hasse Schminke und Lügen und
falsche Höflichkeiten, aber Frauen dürfen nicht
immer sagen, was sie wollen. Die Dinge als Frau
richtig zu machen, ist viel schwieriger.»
der Straße herum und nehmen Drogen, wie es heute
im Dorf immer mehr üblich ist. Es gibt immer weniger
Werte, Kultur, Erziehung ..." Die Karatemeisterin fühlt
sich dazu verpflichtet, den Jugendlichen ein Vorbild zu
sein, ihnen die Richtung zu weisen und Werte zu vermitteln, und stimmt alle ihre Schritte darauf ab: ,,Dass
ich nicht nur Sportlerin bin, sondern auch Architektin,
das gibt mir in den Augen der anderen einen zusätzliche
Wert und so bleibt mir Karate als Hobby, mit dem ich
nicht unbedingt Geld verdienen muss, dadurch bleibt es
pur und ehrlich. Alles, was ich mache, hilft mir, meine
Identität aufzubauen, und je mehr ich tue, umso klarer
wird mir, wer ich bin."
Das arabische Wort ,,Hanan" bedeutet Sanftheit
oder Verzeihen. Und als ich Hanan besser kennenlerne, finde ich hinter ihrer Höflichkeit, ihrer Angepasstheit, hinter der Disziplin und Härte, die sie beim Sport
zeigt, den weichen Kern, der ihrem Namen Ehre macht.
Doch in vielen Situationen empfindet sie es als Schwäche, dass sie eine Frau ist, dass sie manchmal ,,mit den
Gefühlen denkt" und in ihrem Inneren sanft und weich
ist: ,,Wenn ich ein Mann wäre, wäre alles viel klarer,
dann könnte ich viel besser sagen, was ich denke. Ich
hasse Schminke und Lügen und falsche Höflichkeiten,
aber Frauen dürfen nicht immer sagen, was sie wollen.
Die Dinge als Frau richtig zu machen, ist viel schwieriger." Möchte sie denn überhaupt einmal heiraten und
Kinder haben? ,,Im Moment habe ich keine Zeit dafür,
vielleicht später einmal. Aber ich will einen Mann, zu
dem ich aufschauen kann, der mehr weiß und darstellt
als ich." So jemanden zu finden wird wohl gar nicht so
einfach sein.
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