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Gesundheitsführer Vest 2016

Seite 4 Gesundheitsführer Vest 2016Die Anzahl der gesetzten Nadeln am Patienten ist variabel.

Die körpereigenen Heilkräfte werden durch die Nadeltherapie aktiviert.

Stiche gegen Beschwerden:
Akupunktur bringt Lebensenergie zum Fließen
Von Sabine Meuter

Im Idealfall ist nach der
Chinesischen Medizin alles im
Fluss - und der Mensch gesund
und fit. Die Lebensenergie, das
Qi, fließt ungehindert über die
weit verästelten Energieleitbahnen, die sogenannten Meridiane, durch den Körper. Bei
Beschwerden ist nach den Vorstellungen der Chinesischen
Medizin an bestimmten Stellen das Qi blockiert. Um diesen Energiestau aufzulösen,
setzen Ärzte oder Heilpraktiker feine Einmalnadeln an bestimmte Punkte des Körpers,
wo sie etwa 20 bis 30 Minuten bleiben: So sieht eine klassische
Akupunktur-Sitzung
aus. Das wirkt nicht bei jedem
gleich ­ richtet aber auch keinen großen Schaden an.
,,Über die Nadeltherapie werden die körpereigenen Heilkräfte aktiviert", sagt die Berliner Ärztin Johanna Stör. Das
soll den Menschen wieder in
sein natürliches Gleichgewicht
bringen und zur Genesung
führen. ,,Wie viele Nadeln an
einem Patienten platziert werden, ist von Fall zu Fall verschieden." Im Schnitt kommen
nach ihren Angaben 15 Nadeln zum Einsatz.
Eine Behandlung ist sehr individuell. ,,Der Behandler muss
sich dafür Zeit nehmen, um
sich ein zutreffendes Bild vom

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Gesundheitsführer VEST

Zustand des Patienten machen zu können", betont Stör.
In vielen Fällen reiche Akupunktur als alleinige Behandlungsform nicht aus, und man
müsse bedenken, dass die Nadeln nicht bei jedem gleich
wirken. Oft seien mehrere Sitzungen nötig, bis eine Wirkung zu spüren ist. Keinesfalls
sollte Akupunktur bei unklaren Befunden angewandt
werden, und auch bei starken
Gerinnungsstörungen oder
schweren psychiatrischen Erkrankungen sei die Nadeltherapie nicht empfehlenswert.
Aber: ,,Die heilende Wirkung
der Nadeltherapie ist für eine
Reihe von Erkrankungen wissenschaftlich erwiesen", erklärt
die Ärztin Gabriela Huemer
von der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur
(DÄGfA). Sie verweist auf die
in Deutschland durchgeführten Gerac-Studien (,,German

acupuncture trials"). Dabei
handelt es sich um große wissenschaftliche Akupunkturstudien, die von mehreren
Krankenkassen in Auftrag gegeben worden waren. Die Ergebnisse: Die Erfolgsrate der
klassischen Akupunktur etwa
bei Migräne oder Spannungskopfschmerzen ist nur geringfügig höher als bei der sogenannten Schein-Akupunktur,
bei der an benachbarten
Punkten Nadeln gesetzt wurden, steht aber auch der Behandlung mit Medikamenten
in nichts nach.
Was genau sich im Körper bei
der Akupunktur abspielt, ist
wissenschaftlich noch nicht
vollständig geklärt. ,,Ernste
Nebenwirkungen gibt es bei
richtig ausgebildeten Behandlern nicht", erklärt Stör. Es könne allerdings zu leichten Blutergüssen kommen.
Die Akupunktur hat eine uralte

Tradition. ,,Das erste schriftliche Werk zum Thema chinesische Medizin und Akupunktur stammt aus dem
zweiten Jahrhundert vor Christus",sagtdieMünchnerHeilpraktikerin Ursula Hilpert-Mühlig.
Sie ist Vizepräsidentin des
Fachverbands Deutscher Heilpraktiker. Seitdem wurde die
Akupunktur weiterentwickelt.
Etwa seit den 1970er Jahren
kommt sie auch in den westlichen Ländern zum Einsatz.
Eine Behandlung kostet je
nach Aufwand etwa 30 bis 70
Euro pro Sitzung. ,,Bei Migräne
sowie chronischen Knie- oder
Rückenschmerzen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für
10 bis 15 Behandlungen pro
Jahr", sagt Huemer. Behandler,
die Akupunktur anbieten, sollten 350 Stunden Theorie- und
Praxiskurse absolviert haben.
Und Johanna Stör rät den Patienten: ,,Fragen Sie nach, ob
ihr Behandler diesen Ausbildungsumfang absolviert hat."
Weitere Informationen zur
Akkupunktur und erfahrenen
Fachleuten in Ihrer Nähe gibt es auf
der Internetseite der Deutschen
Ärztegesellschaft für Akupunktur
(DÄGfA): www.daegfa.de
Erste schriftliche Erwähnungen
über Akupunktur gab es bereits im
zweiten Jahrhundert vor Christus.
Fotos: Klaus-Dietmar Gabbert

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