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Weiterbildung 2-08

Seite 5 Weiterbildung 2-08Schwerpunkt | Interview6 Treiber für Innovationen Zweifellos ist das Internet automatisch und faktisch ein wichtiger Bestandteil des quartären Bereichs geworden. Ohne je dafür konzipiert gewesen zu sein, erfüllt es heutenicht nur in der Aufbereitung von Informationen, sondern auch in der Lern- und Lehrpraxis wichtige Funktionen. Der Erziehungswissenschaftler Christian Stracke plädiert für eineIntegration des Internets nicht nur in das Gesamtgefüge des Bildungswesens, sondernfordert zugleich die Verknüpfung mit Qualitätsstandards, ohne die eine sinnvolle Internetanwendung nicht möglich ist. Eine besondere Qualität und Verantwortung kommt dem internationalen Dialog zwischen den Konzipierern der Weiterbildung zu. Interview mit E-Learning-Experte Christian Stracke Weiterbildung: Ist das Internet in der Weiterbildung ?nur? einweiteres Medium oder mehr?Christian M. Stracke: Das Internet hat die Weiterbildung schonentscheidend verändert und wird in Zukunft noch viel stärker einewichtige Funktion übernehmen. Gerade für Innovationen in der Weiterbildung ist das Internet ein wichtiger Treiber. Hier hat ein Trend zur Veränderung der Realität und der Prozesse in Unter-nehmen eingesetzt, der in Konzernen schon ganze Säulen, Abtei-lungen und Linien durcheinandergewirbelt hat und gerade in vie-len Unternehmen erst beginnt. Weiterbildung wird nicht nur fle-xibler, sondern mit virtuellen Teams und weltweitem Zugriff vonüberallher zugänglich. Zu beliebigen Zeitpunkten und zu beliebi-gen Userzahlen können ganz neue Weiterbildungsangebote durch-geführt werden, die vorher einfach nicht möglich waren. Dies giltnatürlich nicht für alle Formen und Anlässe der Weiterbildungwie zum Beispiel die Tutorenbetreuung, bei der sie natürlich auchfür die einzelnen Tutoren Termine und Höchstteilnehmerzahlenfestlegen müssen. Aber die Weiterbildung kann mit internetba-siertem E-Learning ganz neue und innovative Lernangebote rea-lisieren, die zuvor undenkbar waren: Nehmen Sie nur den gleich-zeitigen Roll-out einer Produkt- oder Serviceschulung oder dasgemeinsame Arbeiten an einem internen Wiki für jeweils meh-rere hunderttausende Mitarbeiter.Haben die Web 2.0-Technologien E-Learning noch einmal verän-dert und wenn ja in welcher Weise?Christian M. Stracke: Web 2.0 bietet vor allem neue Chancenund Möglichkeiten für die virtuelle Zusammenarbeit und für dasinformelle Lernen und Austauschen. E-Learning hat schon immerdiese Lernformen besonders unterstützt und profitiert im hohen Maße von den neuen Web 2.0-Technologien. Allerdings sind sie noch nicht in vielen Unternehmen angekommen, speziell diekleinen und mittelständischen Unternehmen sind derzeit erst dabei,sich langsam dem E-Learning zu öffnen. Hier ist noch viel Über-zeugungsarbeit zu leisten, was ja auch wesentlich zur Gründungdes E-Learning-Verbandes D-ELAN e.V. geführt hat. Gerade dieneuen heranwachsenden Generationen weisen eine ganz ande-re Affinität zu neuen Technologien auf. Letztlich gilt aber auchhier immer, dass allein die Lernerfolge und deren Anwendungenüber den Wert von Bildungsangeboten entscheiden, seien esnun Präsenzseminare, E-Learning- oder Web 2.0-Angebote. Ent-sprechend bieten die Web 2.0-Technologien neue Möglichkeitenspeziell für die persönliche Weiterbildung und verändern E-Lear-ning nur in der Art und Weise, dass eine neue nochmals erwei-terte Angebotsvielfalt für das E-Learning speziell im informellen Lernen ermöglicht wird.Müssen bei der Qualitätssicherung von E-Learning andere Kri-terien beachtet werden als beim konventionellen Präsenzlernen?Christian M. Stracke: Die Kriterien für die Qualitätssicherung von E-Learning unterscheiden sich grundsätzlich nur speziell hinsicht-lich der Lerntechnologien von anderen Ansätzen für das Präsenz-lernen, die in technologischer Hinsicht keine spezifischen Krite-rien aufweisen. Ansonsten sind die selben Kriterien anwendbar,wobei immer die spezifische Auswahl und Anpassung der Krite-rien zu beachten ist. Es gibt keinen allgemeingültigen Satz an Kri-terien, der auf alle Arten von E-Learning und Präsenzlernen passt.Daher ist die neue ISO-Norm für das Qualitätsmanagement unddie Qualitätssicherung auch so wichtig und wertvoll. Sie wurdevom E-Learning-Standardisierungsgremium SC36 entwickelt,deckt aber alle Arten von Aus- und Weiterbildung ab und ist übri-gens wesentlich von deutscher Seite her mit starker Unterstüt- Christian M. Stracke ist Experteund Berater in seinen Hauptar-beitsfeldern Qualitätsmanage-ment, E-Learning, Kompetenz-modellierung und Standardisie-rung in der Personalentwick-lung. Er hat das e LC Institut füre-Learning, Information und Cooperation gegründet, das Gründungsmitglied von D-ELANist. Als Mitinitiator und Vor-standsmitglied des Deutschen Netzwerks der E-Learning Akteure (D-ELAN) e.V. ist erzuständig für Internationales.Er leitet an der Universität Duisburg-Essen internationale,europäische und nationale Pro-jekte, u. a. die ?Qualitätsinitia-tive E-Learning in Deutschland?(Q.E.D.) und ?Kompetenz fürdie Personalentwicklung?. Weiterbildung2|2008

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